Seminarkurs 2000/01 
"Dolly und die Folgen"
Eine Begegnung von Natur- und Geisteswissenschaft
in Fragen der Humangenetik
 
Team
 
Schriftliche Arbeit im Seminarfach (Jgst. 12)
 
Die gentechnische Herstellung von Insulin
 
Inhalt
 
1.      Grundlegendes
1.      Was ist Insulin?
2.      Was ist die Zuckerkrankheit?
2.      Geschichte
1.      Die Geschichte des Insulins 
3.      Herkömmliche Gewinnungsmethoden
1.      Die Gewinnung von tierischem Insulin aus Schweine- und Rinderpankreaten
2.      Was war des Ausschlag nach neuen Methoden zu  suchen? 
4.      Biotechnische Herstellungsmethoden
1.      Humaninsulin aus zwei E-Colibakteriestämmen
2.      Humaninsulin aus Hefe
3.      Humaninsulin aus einem E-Colibakteriestamm
1.      Fermtec
2.      Chemtec
3.      Insultec
5.      Insulindesign: Insuline nach Maß
6.      Ethische Bewertung 
7.      Quellenangaben
8.      Bildnachweis
9.      Anhang
1.      Worterklärungen
2.      Interessantes und Wissenswertes
3.      Weitere Literaturangaben zu diesem Thema
 
 
1. Grundlegendes

 

1.1 Was ist Insulin?
 
 
(Auszug aus dem Lexikon zur Definition)
Insulin ist ein in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildete Hormon, das für den Kohlenhydratstoffwechsel zentrale Bedeutung hat. Es besteht aus 51 Aminosäuren, die in zwei unverzweigten Polypeptidketten angeordnet sind. Die A-Kette mit 21 und die B-Kette mit 30 Aminosäuren sind durch zwei Disulfidbrücken miteinander verbunden. Die Aneinanderreihung der einzelnen Aminosäuren im Insulinmolekül ist von Tierart zu Tierart verschieden. Das Schweineinsulin unterscheidet sich vom Menscheninsulin lediglich durch eine andere entständige Aminosäure in der B-Kette. Das in der Diabetesbehandlung verwendete Rinderinsulin hat noch zwei andere Aminosäuren in der A-Kette.
Da es ein Eiweißkörper ist, wird eingenommenes Insulin von den Verdauungsfermenten zerstört und unwirksam, deshalb muss es eingespritzt werden. Eine internationale Einheit (I.E) entspricht 0,041 Milligramm hochgereinigtem Insulin. Ein Milligramm kristallisiertes Insulin hat die Aktivität von 24 I.E.
Unter den vielfältigen Insulinwirkungen im Stoffwechsel steht die Beeinflussung verschiedener Transportvorgänge im Vordergrund. Insulin erhöht die Durchlässigkeit der Zellwände für Glukose; es erleichtert somit den Zuckertransport durch die Membranen und reguliert den Blutzuckerspiegel. Das Hormon beeinflusst aber auch den Eiweiß- und Fettstoffwechsel.
Eine unzureichende Funktion der Inselzellen führt zum Insulinmangel und damit zum „Diabetes mellitus“. Dieser Hormonmangel des Zuckerkranken lässt sich durch die Injektion von Insulin beheben.
 
(Das Große Lexikon in Wort und Bild ; Wissen und Bildung / Band 6; Begriff: Insulin)
 
1.2 Was ist die Zuckerkrankheit?
 
(Auszug aus dem Lexikon zur Definition)
 
Diabetes mellitus
 
Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), ist eine Störung  des Kohlenhydratstoffwechsels infolge eines relativen oder absoluten Mangels an Insulin. Dieses Hormon wird in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse gebildet, es reguliert den Glykogenaufbau und den Blutzuckerspiegel. Im Blut des Gesunden sind normalerweise 80 bis 120 Milligramm Prozent Traubenzucker enthalten, bei enzymatischer Bestimmung 60-90 Milligramm Prozent. Dieser Wert steigt nach einer Kohlenhydrat enthaltenden Mahlzeit leicht an und erreicht nach zwei Stunden wieder den Normwert. Beim Diabetiker ist die Traubenzuckerverträglichkeit (Glukosetoleranz) beeinträchtigt, da sein Insulinmangel eine unvollständige Kohlenhydratverwertung bedingt. Bei bereits erhöhten Ausgangswerten des Blutzuckers kommt es beim Diabetiker nach der Kohlenhydrataufnahme zum weiteren und verlängertem Blutzuckeranstieg. Zu den klassischen Symptomen des Diabetes zählen ferner Zuckerausscheidung im Harn, Durst, große Harnmengen und Schwäche. Das diabetische Koma ist eine tiefe Bewusstlosigkeit infolge eines totalen Insulinmangels. Nach den Ergebnissen von Reihenuntersuchungen sind 1,5 bis 2 Prozent der Bevölkerung zuckerkrank, d. h in der Bundesrepublik Deutschland leben mindestens 800 000 Diabetiker. Obwohl Diabetes die häufigste vererbte Stoffwechselkrankheit ist, kennt man den Vererbungsmodus nicht genau, vermutlich sind mehrere übertragene Gene beteiligt. Ebenso unklar sind immer noch die Ursachen für den Insulinmangel. Der Diabetes des Jugendlichen entwickelt sich innerhalb von Wochen aus einer normalen Stoffwechsellage bis zum absoluten Insulinmangel. Dieser Mangel ist beim älteren Diabetiker nur relativ. Die Entwicklung des Altersdiabetes geht über Jahre und durchläuft Vorstadien, die diagnostisch und therapeutisch genutzt werden können. Die Krankheit ist nicht heilbar. Das Behandlungsziel sind die Erhaltung der Beschwerdefreiheit und Leistungsfähigkeit des Patienten, die Vermeidung von Stoffwechselentgleisungen, die Vorbeugung von Komplikationen, Begleit- und Folgekrankheiten wie Nieren-, Netzhaut-, Nerven- und Gefäßschäden.
Nach Art und Schwere der Erkrankung richtet sich die Therapie. Sie besteht entweder in der Diät allein oder in Diät und blutzuckersenkenden Medikamenten oder in Diät und Insulinspritzen zur Substitution des endogenen Insulinmangels. Die Grundlage der Diabetesbehandlung ist die Diät. Sie soll die Kohlenhydrate einschränken, die reinen Zucker ausschalten, ausreichend Eiweiß enthalten, den Fettanteil der Kost reduzieren und eine Angemessene Gesamtkalorienzahl auf mehr als drei Hauptmahlzeiten verteilen. Eine angemessene körperliche Tätigkeit trägt zur Verbesserung der Stoffwechsellage bei.
 
(Das Große Lexikon in Wort und Bild ; Wissen und Bildung / Band: 4 Begriff: Diabetes)
 
 
2. Geschichte
 
 
2.1 Die Geschichte des Insulins
 
Die Zuckerkrankheit ist wahrscheinlich eine Krankheit, die so alt ist wie die Menschheit selbst. Sogar in alten Schriften der Inder und auf ägyptischen Hieroglyphen finden sich schon Hinweise auf diese Krankheit.
Eine der treffendsten Beschreibungen aus der Antike stammt aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert vom griechischen Arzt Aretaeus dem Cappadozier.
"Diabetes ist eine wundersame Affektion; nicht so häufig bei Männern; ein Aufschmelzen von Fleisch und Gliedern im Urin.... Das Leben ist kurz, abscheulich und schmerzhaft, der Durst unstillbar, der Tod unausweichlich."
 
Diese Definition des Diabetes mellitus hatte seine Gültigkeit bis ins Jahr 1922, als einer kanadischen Forschergruppe am Physiologischen Institut der Universität Toronto der Durchbruch in der Diabetesforschung gelang.
1921 trat der kanadische Chirurg Frederick Grant Banting an Prof. JJR MacLeod, den Leiter des Physiologischen Institutes, mit der Bitte heran, ihm die Möglichkeit zu geben die Blutzuckersenkung mit Hilfe eines Pankreasextraktes bei diabetischen Patienten zu erforschen.
MacLeod war anfangs von dieser Idee nicht sehr begeistert, stellte Banting aber einen kleinen Raum zur Verfügung, und gab ihm den gerade promovierten Physiologen Charles Herbert Best als Assistenten zur Seite.
Wenige Zeit später schafften es die beiden Forscher aus den Pankreas einen salzsauren Alkoholextrakt zu gewinnen, mit dem sie dann einen experimentell hervorgerufenen Diabetes bei Hunden erfolgreich behandeln konnten. Noch im Jahr 1922 machten sie mit dem von ihnen hergestellten Pankreasextrakt einen Selbstversuch. Bereits 1922 wurde dann der erste Mensch auf diese Weise erfolgreich behandelt. Es war ein 13-jahriger Junge mit dem Nahmen Leonard Thompson der mit 27 Jahren an einer Bronchopneumonie starb. Die zweite Patientin Elisabeth Hughes, damals 11 Jahre alt, wurde mit Hilfe eines verbesserten Extraktes behandelt. Sie heiratete später, bekam 3 Kinder und starb im Alter von 73 Jahren an Herzversagen.
Für ihre Erfolge wurden Banting und MacLeod 1923 der Nobelpreis für Medizin zugesprochen, den diese freiwillig mit Collip und Best teilten.
 
Die Aufklärung der chemischen Konstruktion von Insulin gelang 1955 dem Chemiker Sanger, der dafür den Nobelpreis für Chemie erhielt. Die synthetische Herstellung im Reagenzglas konnte in den letzten Jahren fast gleichzeitig von drei verschiedenen Forschergruppen in Amerika, China und Deutschland (von Zahn im Wollforschungs-Institut in Aachen) erstmals durchgeführt werden.
 
Weitere Daten der Insulinforschung und Produktion:
 
1923 Beginn der Insulinproduktion in Europa: saures Altinsulin vom Rind
1933 Gründung des Niels Steensen Krankenhauses zur Erforschung des Diabetes
1936 Hoechst: Produktion von „Kristallinsulin“.
1939 Hoechst: „Depot-Insulin Hoechst“ –länger wirkendes Insulinpräparat ohne Zusatz von
          Fremdeiweiß.
1946 NPH (Neutral Protamin Hagedorn)-Insulin: erstes gewebsneutrales Langzeitinsulin
1951 Hoechst: „Komb-Insulin“ mit raschem Wirkungseintritt und einer Depotwirkung von
         9-14 Stunden
1953 Lente-Insuline: Zink-Insuline mit verschieden langer Wirkdauer
1953 erschien das „Long-Insulin Hoechst“ das eine Wirkungsdauer von bis zu 20 Stunden
          hatte auf dem Markt.
1962 Hoechst: „HG-Insulin Hoechst“ - Wirkungsgrad zwischen dem „Depot-Insulin Hoechst“
          und dem „Long-Insulin“
1967 Als erstes Unternehmen stellt Hoechst 1967 auf die immunverträglicheren
          Monospeziesinsuline um: Rinderinsulin wurde für die Routinetherapie, Schweineinsulin
          bei Patienten mit Allergien eingesetzt.
1982 Actrapid HM: erstes raschwirkendes Humaninsulin
1985 Einführung des NovoPen: ermöglicht den Durchbruch der modernen Basis-Bolus-
         Therapie
1986 Hoechst: Brachte das Präparat „H-Tronin 100“ für die Pumpentherapie auf den Markt.
1987 Kam das Präparat „Human-Insulin 100 Hoechst“ für die Injektionshilfe „OptiPen“ auf
          den Markt.
1995 NovoLet: erste Insulinfertigspritze
1998 nahm Hoechst Marion Roussel die weltweit modernste biotechnologische Großanlage
          zur Insulinproduktion in Frankfurt in Betrieb.
1999 Repaglinide: erster Insulinreleaser zur Behandlung des Typ 2 Diabetes
1999 Innovo: der erste Insulindoser
2000 Insulin Aspart: das schnell wirksame Insulinanalogon 
 
 
3. Herkömmliche Gewinnungsmethoden von Insulin
 
3.1 Die Gewinnung von tierischem Insulin aus Rinder- und Schweinepankreaten
 
Seit 1922 wird Insulin aus Bauchspeicheldrüsen (med. Pankreas) von Rindern und Schweinen gewonnen und für die Diabetes Behandlung verwendet. Dies ist möglich, da Säugetiere über Insulin verfügen, das sich vom menschlichen Insulin nur wenig unterscheidet hinsichtlich seiner Funktion aber gleich ist. Schweineinsulin unterscheidet sich zum Beispiel von Humaninsulin nur um eine Aminosäure (Ala - Thr, Position 51).
Trotzdem verursacht tierisches Insulin bei einer Reihe von Patienten die Bildung von Antipörpern die die Wirkung des Insulins aufheben (Insulin-Resistenz) oder/und allergische Reaktionen auslösen können.
Deshalb wird Rinderinsulin eher für die allgemeine Diabetes Therapie verwendet und Schweineinsulin, das dem Humaninsulin ähnlicher ist, eher für die Behandlung von Diabetikern, bei denen die Gefahr allergischer Reaktionen oder starker Antikörperbildung besteht.
Der entscheidende Nachteil dieser Art der Insulingewinnung sind allerdings die großen Mengen an tierischen Bauchspeicheldrüsen, die benötigt werden. So ist ausgerechnet worden, dass für die jährliche Versorgung eines zuckerkranken Menschen zum Beispiel 50 Schweine geschlachtet werden müssen.
Heute werden in Europa ca. 10% tierische Insuline verschrieben.
 
3.2 Was war der Ausschlag nach neuen Methoden zu suchen?
 
Die steigende Anzahl an Diabetikern hat zu einem immer größerem Ressourcenproblem auf dem Markt geführt, da sich die Zahl der Schweine und Rinder die geschlachtet werden müssen um tierisches Insulin zu gewinnen nicht beliebig steigern lässt.
 

Die Problematik konnte bereits 1976 in einer amerikanischen Studie gezeigt werden:
Hinzu kommt noch das Problem, dass sich Human und Schweineinsulin zwar nur in der chemisch günstig gelegenen B30-Position unterscheiden, aber bei diesem Umwandlungsprozess Verluste auftreten, die das Ressourcenproblem eher noch zusätzlich verschärfen.
 
 
Erst die Gentechnik konnte das Problem dann endgültig beseitigen. Sie öffnete der Produktion von menschlichem Insulin völlig neue Perspektiven da sie der Industrie nun Möglichkeiten zur Verfügung stellte mit denen das Insulingen isoliert und in Mikroorganismen überführt werden konnte.
 
Dabei kann die gentechnische Information als die Grundlage der Produktion von Humaninsulin auf zwei fast gleichwertigen Methoden erlangt werden. Durch die Isolierung des Gens aus dem menschlichem Genom oder durch die chemische Synthese des Gens aus des Nucleinsäurebausteinen.
 
Dieses Isulin-Gen wurde dann mit den entsprechenden Regulationssequenzen versehen und in Bakterien- oder Hefezellen eingeschleust, die dann Vorstufen des Humaninsulins (Proinsulin) produzierten, die dann enzymatisch in Humaninsulin umgewandelt werden konnten. 1982 etwa fünf Jahre nach den ersten Laborversuchen, konnten Diabetiker in der Apotheke schon Humaninsulin erhalten, das von E-Coli (Escherichier Coli) Bakterien produziert worden war.
Damit wurde die Insulingewinnung von der Verfügbarkeit von Rinder- und Schweinepanreaten unabhängig.
 
 
Derzeit gibt es drei verschiedene Produktionsweisen mit denen Humaninsulin hergestellt wird:
 
 
4.1 Die Insulin-Produktion mit Hilfe von 2 Bakteriestämmen (entwickelt von der Firma Genentech)
 
In dem Verfahren der Firma Genentech wird das Insulin-Gen als geschlossenes DNS-Stück, ein sogenanntes Plasmid, in E-Colibakterien eingesetzt, das diese dann dazu zwingt Insulinvorstufen zu erzeugen.
Dabei wird über zwei getrennte E-Coli-Bakteriestämme die A-Kette und die B-Kette des Insulins erzeugt. Diese beiden Ketten werden dann durch oxidative Kopplung der Schwefelbrücken zu Humaninsulin verknüpft.
 
Die biosynthetische Produktion von Proteinen mit Hilfe von Escherichia coli hat allerdings den Nachteil, dass das Bakterium das von ihm erzeugte Produkt im Zellleib behält.
Deshalb müssen die Bakterien mit Hilfe mehrerer mehr oder weniger toxischer Substanzen aufgelöst werden. Das dadurch entstandene Gemisch aus Proteinen und Glykoproteinen muss danach mühsam hochgereinigt werden.
Hinzu kommt das Problem, dass es bei der Verknüpfung von A- und B-Kette zu Fehlverknüpfungen kommen kann die zu eher bescheidenen Ausbeuten führen.
  
 
4.2 Die Produktion von Humaninsulin durch Bier- oder Bäckerhefe (Firma Novo Nordisk)
 

www.novonordisk.de
(Bierhefezellen)
 
Die Firma Novonordisk stellt Insulin mit Hilfe von Hefepilzen her, dabei wird Bier- oder Bäckerhefe mit Hilfe von einem künstlichem Plasmid so programmiert, dass sie einen dem Proinsulin verwandten „Precursor“ (eng. Vorläufer) des Insulins produziert.
Der „Precursor“ wurde deshalb eingesetzt, da dieses Verfahren wegen der starken Hydrolyse des Proinsulins durch Hefeproteasen modifiziert werden musste. Er stellt somit eine Art Mini-Proinsulin dar, das stabiler ist als Proinsulin.
Bei diesem „Precursor“ sind die A- und B-Kette bereits durch die Disulfidbrücken verbunden und hängen noch mit vier Aminosäuren zusammen. Diese werden dann später enzymatisch abgespalten. Somit fällt das Aufwendige Verbinden der A- und B-Kette weg.
Hefepilze haben im Vergleich zur Insulinproduktion mit Bakterien den Vorteil, dass sie ihr Insulinprodukt ins Kulturmedium abgeben. Deshalb besteht der erste Produktionsschritt nicht mehr auf der Auflösung der Mikroorganismen, sondern nur noch aus deren Abfiltration.
Aus dem Überstand kann dann diese Vorstufe des Humaninsulins mit Hilfe von chromatographischer (HLPC) Methoden relativ einfach isoliert werden.
Die so produzierte Vorstufe des Insulins bildet nun das Ausgangsmaterial für die Herstellung von verschiedenen Insulinpräparaten.
 
Die Vorteile dieses Verfahrens sind, dass bei diesem Produktionsverfahren keine toxischen Chemikalien verwendet werden müssen um die Mikroorganismen abzutöten.
 
 
4.3 Die Insulin-Produktion mit Hilfe von einem Bakteriestamm (Beispiel Firma Aventis in Frankfurt)
 
www.aventis.com
 
In dem Verfahren, das die Firma Aventis in ihrer Insuinproduktionsanlage in Frankfurt verwendet, wird Proinsulin vollständig über einen E-Colibakteriestamm synthetisiert. Dabei wird die Information des Strukturgens sowie der Selektions- und Steuerungselement an die die b-Galaktosidaseeinheit von E-Colibakterien gehängt, und man produziert auf diese Weise ein Fusionsprotein, das in den Bakterien vermehrt werden kann.

Den Aufbau eines solchen Expressionsvektors zeigt schematisch Abbildung 7 

Dieses Fusionsprotein wird nun durch proteinchemische Aufarbeitung, enzymatische Abspaltung der nicht benötigten Peptidsequenzen und oxidative Kopplung der Schwefelbrücken zu Humaninsulin überführt. Ursprünglich wurde bei der Abspaltung des Fusionsproteins eine stark giftige Substanz nahmens Chlorcyan verwendet. Diese konnte allerdings durch eine enzymatische Abspaltung ersetzt werden.
 
Die Firma Aventis gliedert dieses Verfahren in drei wesentliche Produktionsabschnitte. In den bakteriellen (Fermtec), den chemischen (Chemtec) und den insulintechnischen Bereich (Isultec). Dabei wird die gentechnische Modifikation der E-Colibakterien im biochemischem Labor vorgenommen.
 
 
4.3.1 Der Fermtec-Bereich (Fermetationstechnologie)
 
In dem Fermtec-Bereich findet die Züchtung und die Vermehrung der Bakterien in geschlossenen und sterilisierten Fermentern statt. Dabei werden die Bakterien in einer Glukoselösung vermehrt. Dies geschieht über eine Fermenter-Kaskade. In der Insulinproduktionsanlage der Firma Aventis in Frankfurt haben dabei die aufeinander folgenden Fermenter dabei jeweils ein Fassungsvermögen von 200 l, 2m³ und 40m³ im Hauptfermenter.
Der Prozess wird dabei über die Brutluftmenge, den Sauerstoffpartialdruck, die Temperatur und den ph-Wert gesteuert und der Vermehrungszustand kann durch nephelometrische Messung geprüft werden.
Wenn im Hauptvermenter die Biomasse auf ca. 6 Tonnen angewachsen ist, wird die Biosynthese des Fusionsproteins gestartet. Ist diese abgeschlossen, wird das Flüssigkeitsgemisch in einen Erntebehälter überführt. Dort werden die Bakterien dann chemisch mit m-Kresol abgetötet und dann das Gemisch zur weiteren Verarbeitung in die Chemtec-Anlage geleitet.

 
4.3.2 Der Chemtec-Bereich (Chemische Technologie)
 
In der Chemtec-Anlage werden die Bakterien zuerst von der Nährlösung abgetrennt und danach mit einem mechanischem Verfahren in einem Hochdruckhomogenisator aufgeschlossen. Dabei wird sie Zellmasse mit hohem Druck durch feine Düsen gepresst.
Beim Austritt aus den Drüsen platzen die Zellen dann auf und geben ihren Inhalt mit dem Fusionsprotein frei.
Nun werden, begleitet von vielen Reinigungsschritten, rein enzymatisch die Schritte zum Humaninsulin durchgeführt.

4.3.3. Der Insultec-Bereich (Insulintechnologie)
 
In dem letzten Anlagenteil, vor der Pharmafertigung wird das Insulin im Wesentlichem gereinigt. Dies geschieht durch Fällung, Kristallisation und Chromatographie. Im letzten Schritt wird das Insulin einer präparativen Hochdruckflüssigkeitschomatographie unterworfen.
Dabei wird hochgereinigtes Humaninsulin gewonnen. Dieses wird dann kristallisiert und gefriertrocknet und kann dann bei Tiefkühltemperaturen nahezu unbegrenzt gelagert werden.
Es wird dann nach verschiedenen Qualitätskontrollen der Pharmafertigung zur Herstellung von Insulinprodukten zur Verfügung gestellt.

 
 
5.    Insulindesign: Insuline nach Maß
 
Die Gentechnik hat bei der Humaninsulingewinnung allerdings nicht nur in deren Produktion Fortschritte mit sich gebracht. Ein anderer und wahrscheinlich ebenso wichtiger Bestandteil der heutigen Insulingewinnung ist die Möglichkeit, Insulindesign zu betreiben. So ist es heute möglich, gentechnisch Humaninsuline mit verschiedener Wirkungsweise zu erstellen. Sie senken zwar immer noch dem Blutzuckerspiegel, wirken aber verschieden schnell und lang. Viele Firmen bieten inzwischen Insuline an, die entweder besonders lange wirken, aber erst langsam ansprechen, oder sehr schnell ihre Wirkung antreten, aber nicht so lange den Blutzuckerspiegel senken. Die am häufigsten verkauften Produkte sind allerdings Cocktails aus einem besonders schnell und einem besonders lang wirkendem Insulin.
 
 
6. Ethische Bewertung
 
Als die ersten gentechnischen Methoden zur synthetischen Herstellung von Humaninsulin auf den Markt kamen, weckte dies bei vielen Menschen Ängste. Die allerdings weitgehend auf Vorurteile und Unwissenheit zurück zu führen sind. Denn nach der heutigen allgemeinen Meinung zu diesem Thema scheinen sie sich als unbegründet zu erweisen, weil die neuen gentechnischen Verfahren alle weitgehend mehr oder weniger umweltfreundlich sind und allgemein zu weniger Komplikationen bei der Behandlung von Diabetikern führen, da nun Humaninsulin produziert werden kann, das wesentlich weniger Antikörperbildung hervorruft und somit wesentlich seltener zu allergischen Reaktionen führt.
 
Das Problem einer unabhängigen ethischen Bewertung dieses Themas ist allerdings die mangelnde Information in der Öffentlichkeit. Es fehlt an Menschen, die sich mit diesem Thema unabhängig auseinander setzten können, da die meisten Informationen von den Firmen selbst stammen und so eventuelle Risiken nicht von Kritikern gesehen werden können.
 
Allerdings muss man sagen dass man heute auch gar keine andere Wahl mehr hat, als auf die Gentechnik zu vertrauen, denn ca.80% des in Europa erzeugten Humaninsulins wird mit Hilfe von bio- und gentechnischen Verfahren hergestellt und der Insulinbedarf lässt sich durch tierisches Insulin nicht mehr decken.
 
Im Großen und Ganzem bin ich allerdings der Meinung, dass hier die Gentechnik etwas wirklich Gutes geleistet hat, da sie vielen Diabetikern das Leben erleichtert und lebenswerter macht und wirkliche Nachteile und eventuelle Risiken (zumindest auf den ersten Blick) nicht zu sehen sind.
 
 
7. Quellenangaben
 
·       Das Große Lexikon in Wort und Bild ; Wissen und Bildung
·       Folienserie des Fonds der Chemischen Industrie/ 8.7 Gentechnische Herstellung von Humaninsulin S.65-67
·       Vortrag der Firma Aventis/ Dr. Götz Use, Medikal Marketing Insumanâ, Geschäftseinheit Diabetologie, Aventis Pharma Deutschand   GmbH 16.6.2000
·        www.novonordisk.de
·        www.aventis.com
·        www.berlin-chemie.de
·        Werbebroschüre der Firma Hoechst Marion Roussel / S.12/13: „Die Entwicklung von Insulinpräparaten bei Hoechst“
·        Meyers Lexikonverlag.
 
 
8. Bildnachweis
 
www.edv.agrar.tu-muenchen.de/blm/brautec2/pics/hefe.jpg
 
Das Große Lexikon in Wort und Bild ; Wissen und Bildung
·        Bauchspeicheldrüse Lex
·        Hefe Lex
 
Illustrierte Geschichte der Medizin
·        IGdM S.3074)
 
Karl-Josef Moll, Anatomie – Antwortkatalog und Kurzlehrbuch
·        S.378 Schnitt durch das Pankreas
 
Vortrag der Firma Aventis/ Dr. Götz Use, Medikal Marketing Insumanâ, Geschäftseinheit Diabetologie, Aventis Pharma Deutschand GmbH 16.6.2000
·        Vereinfachte räumliche Struktur des Insulins;
·        Das Chemtec-Verfahren
·        Expressionsvektor für Humaninsilin
·        Das Insultec-Verfahren
·        Das Fermtec-Verfahren
·        Insulinbedarfsentwicklung
·        Isolierter DNA-Strang
 

 
9. Anhang
 
Interessantes und Wissenswertes

Die Bauchspeicheldrüse

Lexikonauszug: 

Bauchspeicheldrüse (med. Pankreas), eine 14-18 cm Lange Drüse, die gemeinsam mit dem Gallengang in den Zwölffingerdarm mündet. in diesen sondert die den Bauchspeichel ab; er enthält Enzyme zur Verdauung von Fetten, Eiweißstoffen und Kohlenhydraten. An das Blut gibt die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin ab, dessen Fehlen Zuckerkrankheit verursacht, und das Insulin entgegenwirkende Hormon Glucagon; beide werden von verschiedenen Zellarten innerhalb rundlicher Zellhaufen (Langerhanssche Inseln) der Bauchspeicheldrüse gebildet. 

Bauchspeicheldüse schematisch:


Schnitt durch die Bauchspeicheldrüse:


Bauchspeicheldrüse anatomisch:


Dreidimensionale Darstellung von Humaninsulin:

 
 
 
  Fragen und Kommentare an Arndt-Hendrik Penner © Faust-Gymnasium Staufen,  letztes update 15.06.2001