aus der Badischen Zeitung vom Mittwoch, 4. Juni 2008

"Es ist wirklich schade, dass ihr aufhört"
Nach über 100 Auftritten in vier Jahren standen die "FauSTimmen" mit einer Auswahl ihrer besten Lieder ein letztes Mal in Staufen auf der Bühne
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(FOTO: MARTINA FALLER)
STAUFEN. Es war die letzte Gelegenheit, die "FauSTimmen" noch einmal live am Faust-Gymnasium zu erleben und die wollten sich die Fans des hausgemachten A-cappella-Gesangs nicht entgehen lassen. Stühle gingen weg wie warme Semmeln, und auch die Stehplätze auf den Treppen und den Rängen waren voll besetzt. Zwei Stunden lang demonstrierte das neunköpfige Vokalensemble noch einmal mit einem aus neu einstudierten und "Bestoff" -Liedern geschnürten Abschiedspaket a cappella vom Feinsten und machten sich und dem Publikum den Abschied richtig schwer. Am Ende gab es Standing Ovations und Tränen der Rührung auf beiden Seiten.

"Das war vielleicht die beste Zeit, die Zeit meines Lebens, doch jetzt ist es für mich soweit" , sangen die "FauSTimmen" wehmütig aus einem Titel von den Wise Guys als letzte Zugabe und die Zeilen scheinen ihnen aus dem Herzen zu sprechen. Für drei Sängerinnen geht mit dem Abitur nicht nur die Schulzeit, sondern, da alle drei ins Ausland gehen, auch die FauSTimmen-Zeit zu Ende. Vier Jahre lang haben Julia und Maria Gnann, Debora Vollrath, Veronika Lutz, Anna Pfefferle, Wolfgang Peltzer und Andreas Mölder, Pauline Jacob und Dorothea Wolfsberger zusammen gesungen, geprobt und auf der Bühne gestanden.

"Es war eine intensive Zeit" , bekennt Andreas Mölder. Hervorgegangen aus den Projekttagen 2004, hat sich das Ensemble unter der Leitung von Peter Koderisch, das zunächst unter dem Namen "Faustklangkörper" in Erscheinung trat, als "FauSTimmen" in die Herzen der Menschen gesungen und sich in der Region schnell einen Namen gemacht. Über 100 Auftritte in vier Jahren geben beredtes Zeugnis davon. Auch internationale Bühnenluft konnten die jungen Sängerinnen und Sänger schnuppern. So sangen sie in Schanghai beim internationalen Schülerchorfestival vor 2000 Zuhörern und gaben auf der kanarischen Insel La Palma sieben Gastspiele. Von ihrem Gründer und Leiter wurden sie im Laufe der Zeit immer mehr in die Selbstständigkeit entlassen und haben ab dem dritten Jahr alles alleine gemacht.

Wie gut sie das mittlerweile können, führten sie bei ihrem Abschiedskonzert noch einmal eindrücklich vor. Locker, selbstbewusst und witzig in den Ansagen, konzentriert und gut aufeinander abgestimmt im Gesang und mit schlichter, aber wirkungsvoller Choreographie schlugen sie ihr Publikum in den Bann. Das Repertoire war dabei so abwechslungsreich wie vielleicht noch nie. Von Samba "Journey to Brazil" über Popklassiker wie "Michelle" von den Beatles bis hin zum romantischen Kunstlied war der Bogen gespannt. Da fehlte das "Publikumslieblingslied "Nothings gonna change my love for you" genauso wenig wie bekannte Volkslieder wie "Ein Jäger längs dem Weiher ging" und "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach" . Doch kamen Letztere im neuen, gleichsam bunten Gewand daher. Pointiert gesungen und mit Gestik und Choreographie wirkungsvoll in Szene gesetzt, sorgten sie für Lacher und Erheiterung im Publikum.

Im "Can-Can" aus Jacques Offenbach "Orpheus in der Unterwelt" wurden zwar keine Worte gesungen, dafür jedoch gekonnt Instrumente imitiert und in der Manier der Can-Can-Tänzerinnen viel Bein gezeigt. Und immer wieder stellten die Sängerinnen und Sänger in Solo-Passagen ihre stimmlichen Qualitäten eindrücklich unter Beweis.

Andreas Mölder, Student der Chormusik an der Musikhochschule Freiburg, bewies sogar, dass bereits jetzt ein Gotthilf Fischer in ihm steckt. Denn innerhalb weniger Minuten studierte er mit dem Publikum einen musikalischen Obstsalat ein, mit dem sich sonst die "FauSTtimmen" einzusingen pflegen. Und so erklang aus unzähligen Kehlen der aus Mango, Kiwi, Ananas und Bananen zusammengestückelte Obstsalat und vereinte das Publikum zu einem einzigen großen Chor.

"Solch einen Abschied habe ich am Faust-Gymnasium noch nie erlebt" , meinte der sichtlich gerührte Schulleiter Hans-Joachim Kraus, als er sich mit Rosen von den Sängerinnen und Sängern verabschiedete und bekannte: "Es ist wirklich schade, dass ihr aufhört." Dem Publikum war damit aus dem Herzen gesprochen. Doch am Ende half alles Applaudieren nichts. Nach der wehmütigen Abschiedshymne von den Wise Guys war endgültig Schluss. Aber, wer weiß, vielleicht gibt es doch einmal ein Comeback. Auch Auslandsaufenthalte dauern ja bekanntlich nicht ewig

Martina Faller


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